Was passiert, wenn ein Frankfurter Gasthaus mit Apfelwein-Wurzeln plötzlich nach den Sternen greift? Richtig, dann landet man mitten in einem Abend voller Überraschungen, Genussmomente und ganz viel „Ebbelwoi“ (Stöffche), allerdings in einer Form, wie man ihn vielleicht noch nie erlebt hat.
Normalerweise trinkt man seinen Apfelwein im Gerippten, dazu gibt es eine ordentliche Portion Frankfurter Gastlichkeit. Doch am 11. Juni wehte ein anderer Wind durch Sachsenhausen. Unter dem Motto „Cider goes Michelin im Daheim bei den Drei Steubern“ bewies das Team, dass unser hessisches Kultgetränk locker mit edlen Weinen mithalten kann. Dieser exklusive Abend war Teil der Genussreihe „Sterne über Frankfurt“. Das Ziel? Regionale Tradition mit der Raffinesse der Sternegastronomie zu verheiraten. Spoiler: Es hat fantastisch funktioniert!
WER STECKT HINTER DEM „DAHEIM“? DIE WINKLER-WELT
Gastgeber Frank Winkler ist eine echte Ikone der Frankfurter Gastroszene und gilt als Visionär, wenn es um moderne Heimatküche geht. Mit viel Herzblut und einer tiefen Liebe zur Region führt er mittlerweile vier „Daheim“-Lokale, die allesamt als Leuchttürme für authentischen Genuss stehen. Zu seinem Portfolio gehören echte Frankfurter Institutionen:
- Daheim im Lorsbacher Thal: Das Mekka für Apfelwein-Liebhaber mit einer der weltweit größten Auswahl an Cider und Wein.
- Daheim in der Affentorschänke: Urige Gemütlichkeit trifft auf gelebte Tradition.
- Daheim in der Kleinmarkthalle: Der kulinarische Treffpunkt im Herzen der Stadt.
- Daheim bei den Drei Steubern: Unser Schauplatz in der Dreieichstraße, wo Tradition auf Gourmet-Anspruch trifft.
HANDWERK OHNE SCHNICKSCHNACK – DIE SEELE DER „DREI STEUBERN“
Ehrlich gesagt, geschieht das wahre Wunder hinter der Schwingtür zur Küche. Ich durfte erfahren, dass der Küchenchef eine fast schon radikale Liebe zum Produkt pflegt. Chemie? Fehlanzeige! Er verzichtet konsequent auf Geschmacksverstärker, Tüten-Gewürzmischungen oder irgendwelche industriellen Fertigprodukte. Stattdessen landen „ordentliche Lebensmittel“ auf dem Tisch – ehrlich, unverfälscht und direkt aus unserer Region rund um Frankfurt und Hessen.
Es ist diese herrliche Bodenständigkeit. Der ursprüngliche Geschmack der Rohstoffe steht im Rampenlicht, ganz ohne unnötigen Schnick und Schnack. In einer Welt voller High-Tech-Food ist das für mich der wahre Luxus. Man weiß hier nicht nur, was auf dem Teller liegt, sondern kennt auch die Gesichter hinter den Zutaten. Ein Gefühl, als würde man bei guten Freunden essen, die für Qualität ihre Hand ins Feuer legen.
WO LIEGT DAS KULINARISCHE HERZ? DIE LOCATION IN SACHSENHAUSEN
Du findest das Daheim bei den Drei Steubern mitten im Herzen von Sachsenhausen (Dreieichstraße 28). Wer Frankfurt kennt, weiß: Hier schlägt der Puls der Apfelwein-Kultur. Während viele Touristen in die großen Hallen strömen, bewahrt man sich hier die authentische, fast schon dörfliche Atmosphäre eines Frankfurter Stadtteils.
Hintergrund-Check: Die Frankfurter Apfelwein-Kneipenkultur ist seit 2022 offiziell Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. In Orten wie dem „Daheim“ wird dieses Erbe nicht nur verwaltet, sondern kreativ weiterentwickelt.
DAS MENÜ – HANDKÄS, HOPFEN & HAUTE CUISINE
Der Abend begann, wie jeder gute Abend beginnen sollte: mit einem Glas Apfelwein. Aber nicht irgendeinem, sondern einem mit Hopfen-Zusatz („De Gehoppde“). Und das passte, denn was folgte, war keine rustikale Vesper, sondern ein fein komponiertes Menü, bei dem jeder Gang einen eigenen Apfelwein-Begleiter erhielt.
Gleich der erste Gang ließ mich dahinschmelzen: Eine zart schmelzende Creme vom Handkäs der Käserei Birkenstock, mit Birne und Schaum von der berühmten „Frankfurter Musik“. Dazu der Cidre Moulin Rouge Rosé Apfelschaumwein aus der Kelterei Roter Adam, Harald Nolte – frisch, feinperlig, überraschend komplex. Super lecker, da könnt ich mich „nei setze“, wie man bei uns so schön sagt.
Kein Witz, der roséfarbene Schaumwein verdankt seine Farbe rotfleischigen Äpfeln, ganz ohne Farbstofftricks. Michael Stöckl, Apfelweinsommelier und Organisator der Cider World Frankfurt führte charmant durch die Aromenvielfalt und verriet, worauf es beim richtigen „Kelterer“ ankommt (Merke: Nicht „Winzer“!).
SUPPENKUNST MIT SHOW-EFFEKT
Auch optisch wurde einiges geboten: Bei Andrés feines Süppchen vom Odenwälder Bärlauch mit Entenbrust vom Geflügelmetzger Dietrich aus der Kleinmarkthalle und fein geschnittenen Kräuterseitlingen, die in Zitronenöl angebraten wurden, wurde die heiße Brühe stilvoll am Tisch aus einer gehämmerten Metallkanne eingeschenkt. Das zitronige Aroma der Pilze? Traumhaft! Dazu der Boskoop 2023, ein sortenreiner Jahrgangsapfelwein – knackig, klar, mit prämiertem Charakter. Mein Favorit an diesem Abend.
NACH DEM AUFTAKT GING’S WEITER – UND WIE!
Ilyass selbstgemachte Fischstäbchen vom fangfrischen Kabeljau in Nutaaq-Qualität setzen neue Maßstäbe: außen goldbraun, innen saftig. Dazu die original Frankfurter Grüne Soße mit frischen Kräutern vom Riedhof, authentisch, frisch, und perfekt ausbalanciert. Dazu passt der Pilot 2023, ein sortenreiner Apfeltischwein aus der Kelterei Nöll von Alexander Nöll – hell, lebendig, mit verspielter Frucht.
Dann folgt Bernds butterzarter Kalbstafelspitz, gegart im Sud von saisonalem Gemüse der Inklusionsgärtnerei Grün & Grün aus Linsengericht, mit buntem Spargelgemüse vom Bauer Merlau aus Arheilgen (quasi bei mir ums Eck). Das Fleisch stammt vom Metzger Dürr aus Bad Vilbel – ehrliches Handwerk in Bestform. Der Speierlingsapfelwein 2023 von Weidmann & Groh, Norman Groh, krönt diesen Gang würdig. Goldprämiert auf der Cider World, wild und klar zugleich. Norman Groh ist an diesem Abend sogar selbst mit dabei.
DAS SÜßE FINALE – GRÜNE SOßE ALS EIS?
Ja, du hast richtig gelesen! Zum süßen Finale gibt es ein Törtchen von marinierten Wetterauer Waldbeeren mit Bernds Eis aus den sieben Kräutern der Frankfurter Grünen Soße. Klingt verrückt? Schmeckt sensationell! Frisch, aromatisch, cremig und eine echte Überraschung auf dem Löffel. Der dazu gereichte Goldparmäne 2024 vom Obsthof am Steinberg, Andreas Schneider, stammt von alten Bäumen und bringt eine runde Reife mit. Vollmundig, elegant, mit langem Nachhall. Ein würdiger Abschluss eines außergewöhnlichen Menüs.
Es war spürbar, wie Gastgeber Frank Winkler, Betreiber von vier „Daheim“-Lokalen, mit Herzblut die Region auf die Teller und in die Gläser brachte. Alles stimmte, die Zutaten, das Timing und das Lächeln des Servicepersonals. Die Herzlichkeit des Servicepersonals war das Tüpfelchen auf dem i. Man spürt, dass hier echte Gastgeber mit unglaublicher Freude und persönlicher Wärme am Werk sind. Die Crew schafft es mit ihrer sympathischen und lockeren Art, dass man sich sofort wie bei guten Freunden „daheim“ fühlt.
STERNE ZUM GREIFEN NAH
Die Veranstaltung war eingebettet in die feine Welt der „Sterne über Frankfurt“, bei der Gastronomie-Profis, Foodies und neugierige Neulinge gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen, von Sachsenhausen bis hin zum 2-Sterne-Restaurant Lafleur, wo übrigens die Auftaktkundgebung stattfand. Mehr dazu findest du in meinem ausführlichen Blogbeitrag zum Lafleur-Erlebnis. Dort gibt’s auch praktische Tipps, wie du selbst Tickets ergatterst, was dich kulinarisch erwartet und warum du unbedingt hungrig erscheinen solltest.
MEIN FAZIT
Ein Abend wie dieser verändert den Blick auf Apfelwein und auf das, was Küche in Hessen sein kann. Ich habe gestaunt, geschlemmt, genippt und neue Lieblingssorten entdeckt. Dieser Abend hat gezeigt, wenn Profis wie Frank Winkler und Sommelier Michael Stöckl am Werk sind, wird Apfelwein zum eleganten Speisebegleiter auf Sterne-Niveau. Vielleicht wird auch dein nächster Lieblingswein nicht aus der Rebe, sondern vom Baum gepresst.
Pro-Tipp für Foodies: Wenn du im nächsten Jahr an einer der Veranstaltungen teilnehmen willst, schnell sein lohnt sich. Tickets sind rar, der Appetit ist groß, und die Plätze begrenzt. Und wenn du dich schon auf eine Geschmacksreise begibst, dann lass dich überraschen, probiere Neues und bring deine Freunde mit, denn geteilter Genuss ist doppelt lecker.
Ein herzliches Dankeschön geht an Gourmet Connection und den DEHOGA Hessen für die hervorragende Organisation dieses besonderen Abends. Ein ebenso großer Dank gebührt dem gesamten Team von „Daheim bei den Drei Steubern“, das uns mit leidenschaftlicher Gastfreundschaft und echtem Handwerk verzaubert hat.
Lust auf mehr kulinarische Geheimtipps aus Hessen? Bleib dran und stöber durch meine kulinarischen Abenteuer. Inspirationen findest du hier genug.
Warst du auch schon mal im Daheim bei den Drei Steubern?
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