*Txotx-Dinner in Zusammenarbeit mit Gipuzkoa Baskenland*
Stell dir vor, der herbe Duft von frischem Apfelwein liegt in der Luft, das rhythmische Klackern von Holzfässern hallt durch die historischen Mauern und die Vorfreude ist förmlich greifbar. Nein, wir sind nicht in einer Sidrería in den grünen Hügeln hinter San Sebastián, wir sind in Bornheim. Txotx! Ein Hauch von San Sebastián mitten in Frankfurt!
Als diesjähriger Ehrengast der Cider World hat die Region Gipuzkoa das Baskenland direkt in den Bornheimer Ratskeller importiert. Es war ein Abend, der bewiesen hat, Apfelwein ist ein Lebensgefühl, das Grenzen überwindet. Zwischen traditionellen Menüfolgen und spritzige Verkostung durften wir erleben, was wahre Gastfreundschaft auf Baskisch bedeutet.
LOCATION – BORNHEIMER RATSKELLER
Die Kulisse für diesen Abend hätte nicht besser gewählt sein können. Der historische Bornheimer Ratskeller ist ohnehin eine Institution, aber an diesem Abend zeigte er sich von seiner absolut magischen Seite. Los ging es oben in den stilvollen Innenräumen, wo die spannende Präsentation über die Region Gipuzkoa stattfand und uns so richtig in Urlaubsstimmung versetzte.
Später verlagerte sich das Geschehen in den wunderschönen Garten des Ratskellers. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick über Frankfurt, und an diesem Abend gab es ein ganz besonderes Schauspiel gratis dazu. Unten auf dem Festplatz lief gerade die Frankfurter Dippemess. Als die Nacht hereinbrach, leuchteten die Fahrgeschäfte und Riesenräder in den buntesten Farben zu uns herauf. Ein absolut traumhafter Kontrast zwischen Frankfurter Lichtermeer und baskischer Lebensfreude!
GIPUZKOA – EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN MIT AZAHARA DOMÍNGUEZ
Bevor die Gläser gefüllt wurden, gab es eine ganz besondere Einführung. Azahara Domínguez, Tourismus-Stadträtin von San Sebastián, war persönlich vor Ort, um uns in die Geheimnisse ihrer Heimat im Norden Spaniens einzuweihen. Sie nahm uns mit auf eine Reise durch die Region Gipuzkoa und erklärte die tief verwurzelte Cider-Tradition. Man merkt sofort, hier geht es um mehr als nur Produktion, es ist ein kulturelles Erbe. Die Äpfel dort sind so charakterstark und kantig wie die Küstenlandschaft selbst, und genau das schmeckt man in jedem Tropfen der verschiedenen baskischen Ciders, die den Abend begleiteten.
Im Gegensatz zum Frankfurter Schoppen ist die baskische Sidra oft etwas trüber, wilder und hat diese unverwechselbare, feine Säure. Die Delegation aus San Sebastián hat nicht nur Fässer mitgebracht, sondern ein Stück ihrer Seele und ihrer jahrhundertealten Tradition.
TXOTX! DER MAGISCHE RUF
Wenn du zum ersten Mal beim Beginn der Apfelweinsaison (Sidra-Saison) in eine traditionelle baskische Apfelweinkeller, der sogenannten Sgardotegi gelockt wirst, musst du ein Wort unbedingt beherrschen: Txotx! (ausgesprochen: Tschotsch). Der Begriff bezeichnet den kleinen Holzstab, der das Zapfloch im Fass verschließt. Sobald dieser Ruf durch den Raum schallt, gibt es kein Halten mehr. Es ist das Signal, dass ein neues Fass (Kupela) mit dem kleinen Holzpflock angestochen wird.
In einer feinen Kurve schießt der goldene Saft aus dem winzigen Loch im Fass in einem dünnen Strahl direkt in die bereitgehaltenen Gläser. Das Geheimnis? Der Cider muss beim Einschenken „brechen“. Du hältst dein Glas tief nach unten und fängst den Strahl mit Schwung auf. Nur so wird die natürliche Kohlensäure freigesetzt und die vollen Aromen entfalten sich. Es ist ein ritueller Tanz zwischen Fass und Glas, der Fremde in Sekunden zu Freunden macht.
CIDER AUS DEM BASKENLAND
Was wäre eine echte Kellerprobe ohne die großen Ikonen hinter den Fässern? Aus Astigarraga, dem weltweiten Epizentrum der Apfelweinkultur, nur wenige Kilometer von San Sebastián entfernt, reiste ein Trio an, das 500 Jahre Handwerk im Gepäck hatte.
Petritegi: Jahrhundertealte Tradition im Glas
Nur fünf Kilometer von San Sebastián entfernt, im Herzen von Astigarraga, liegt Petritegi, für viele die unbestrittene Top-Adresse in Sachen baskischer Apfelweinkultur. Seit dem frühen 16. Jahrhundert, also seit über 500 Jahren, wird auf diesem traditionsreichen Gut Apfelwein gelebt und produziert. In der Heimat ist Petritegi eine riesige Erlebniswelt. Mit ihren drei Themen-Speisesälen (Sagar, Baserri und Arrantzale), die komplett mit Apfelwein-Motiven dekoriert sind, bieten sie alles von Führungen und Kinder-Workshops bis hin zu Live-Konzerten.
Zapiain: Die Perfektion der modernen Natur-Sidra
Eine weitere absolute Referenz unter den großen Apfelweinhäusern von Astigarraga ist Zapiain. Ein Name, an dem man im Baskenland einfach nicht vorbeikommt. Die Ursprünge dieses Hauses reichen ebenfalls beeindruckend weit bis ins 16. Jahrhundert zurück. Doch statt sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen, hat sich Zapiain zu einem echten Pionier der modernen Qualitäts-Sidra entwickelt. Über die Jahre haben sie ihre Anlagen kontinuierlich erweitert, modernste Technologien integriert und setzen in jeder Phase der Herstellung auf erfahrene Fachkräfte.
Dass Zapiain für Innovation steht, sieht man auch an ihrer Produktpalette abseits des klassischen Sidra-Anstichs. Sie kreieren spannende Spezialitäten wie den Dessert-Apfelwein Bizi Gotxo, edle Sagardoz-Sorten (wie den eleganten Le Blanc, fruchtigen Likör oder den im Eichenfass gereiften Haritza Oak Aged) und sogar einen feinen Apfelessig.
Gurutzeta: Das wilde, charakterstarke Urgestein
Diese geschichtsträchtige Sagardotegi liegt im Viertel Ergobia in Astigarraga. Gegründet wurde das Familienunternehmen Ende des 19. Jahrhunderts von Joxe Mari Urreaga und Joxepa Inaxi Aranburu, die den Grundstein für diese Erfolgsgeschichte legten. Seit über einem Jahrhundert wird der Betrieb mit unendlicher Leidenschaft von derselben Familie geführt. Seit 1979 leitet Jose Angel Goñi den Betrieb, nachdem er das Erbe seines Urgroßvaters übernommen hatte, und mittlerweile mischt mit Tochter Leire Goñi bereits die stolze fünfte Generation in der Geschäftsführung mit.
Das ganz besondere Highlight! Gurutzeta ist als einer der wenigen Hersteller mit dem renommierten Gorenak-Siegel ausgezeichnet! Dieses Siegel bürgt für herausragende Qualität und wird erst nach strengsten sensorischen Tests und chemischen Analysen vergeben. Es garantiert außerdem, dass zu 100 % lokale, baskische Apfelsorten im Fass landen.
SAN SEBASTIÁN – WELTKLASSE-KULINARIK AUF DEM TELLER
Dass der Ehrengast ausgerechnet aus der Region um San Sebastián kommt, ist kein Zufall. Die Stadt gilt weltweit als Mekka für Foodies! Nirgendwo sonst ist die Dichte an Michelin-Sternen und erstklassigen Pintxo-Bars höher. Im Ratskeller durfte ich erleben, was das konkret bedeutet. Ein traditionelles Menü, das perfekt auf den herben Cider abgestimmt war. Ein echtes baskisches Menü folgt einer heiligen Tradition:
- Txistorra taloa: Das ultimative Baskische Streetfood.
- Pintxos & Fisch: fein und herzhaft.
- Das T-Bone-Steak (Txuleta): Das Herzstück des Abends.
- Der süße Abschluss: würziger baskischer Schafskäse mit knackigen Walnüssen.
Übrigens auf dem Blog findest du ein köstliches San Sebastian Cheesecake Pistazie Rezept.
TXISTORRA TALOA – STREETFOOD AUS BASKENLAND
Gestartet sind wir mit Txistorra Taloa. Ich kannte es bis dato nicht, denn Taloa ist ein hauchdünnes, fluffiges Tortilla, das ganz traditionell aus reinem Maismehl, Wasser und einer Prise Salz auf heißen Platten gebacken wird. Es hat diesen herrlich rustikalen, leicht süßlichen Maisgeschmack.
In dieses warme Brot wird die Txistorra eingewickelt, eine dünne, baskische Rohwurst, die mit viel Knoblauch und edelsüßem Paprika (Pimentón) gewürzt ist. Die Wurst knackt beim ersten Hineinbeißen, und der würzige, leicht scharfe Saft verbindet sich perfekt mit dem milden Maisbrot. Das Ganze auf der Hand, im beleuchteten Garten des Ratskellers, mit einem frischen, spritzigen Cider in der anderen Hand, in diesem Moment war das Urlaubsgefühl perfekt. Einfach, ehrlich und richtig lecker!
PINTXOS & FISCH
Ein besonderes Highlight waren die Pintxo-Kreationen, die oft noch ein Stück kleiner und feiner ausfallen als die typischen Tapas-Happen, die du vielleicht aus Südspanien kennst. Pintxos sind ein wichtiger Bestandteil der baskischen Esskultur. Sie sind eine Art Tapa oder Vorspeise, die in vielen Bars und Restaurants im Baskenland serviert und normalerweise von einem Glas Wein oder Bier begleitet werden. An diesem Abend jedoch mit Cider. Traditionell werden diese Kunstwerke auf einer Scheibe Brot mit einem Holzspieß (dem „Pintxo“) zusammengehalten.
Ein kleiner Profi-Tipp am Rande: Im Baskenland lässt man die Holzspieße der Pintxos übrigens oft auf dem Teller liegen, damit am Ende abgerechnet werden kann. Ein herrlich ehrliches System, oder?
TXULETA – DER STAR DES ABENDS
Und dann kam er, der unbestrittene Star des Abends, der Augenblick, auf den insgeheim alle Fleischliebhaber im Garten gewartet hatten: Die Txuleta. Als das monumentale T-Bone-Steak auf den Tisch getragen wurde, ging ein raunendes Raunen durch die Runde. Außen perfekt kross und mit groben Meersalzkristallen übersät, innen von einem tiefen, saftigen Dunkelrot, das jedem Foodie das Herz höherschlagen lässt.
Im Baskenland ist das Grillen einer Txuleta kein bloßes Handwerk, es ist eine heilige Zeremonie. Jeder Bissen war unglaublich intensiv, butterzart und mit diesem unnachahmlichen, leicht rauchigen Aroma, das nur ein perfekt kontrolliertes Feuer zaubern kann. Und das Faszinierendste? Die Kombination mit dem baskischen Cider. Die spritzige, herbe Säure der frischen Sidra bricht das Fett des Fleisches geradezu genial auf. Jeder Schluck macht den Mund wieder frisch für den nächsten, perfekten Bissen. Ein kulinarisches Match, das man einfach selbst erlebt haben muss!
BASKISCHER KÄSE ZUM ABSCHLUSS
Wer denkt, nach so einem monumentalen Steak geht absolut nichts mehr, der kennt die baskische Dessert-Tradition nicht. Als krönender Abschluss kam nämlich eine Auswahl traditionsreicher baskischer Käsesorten zusammen mit knackigen Walnüssen auf den Tisch.
Der unumstrittene Star auf dem Brett war der berühmte Idiazábal-Schafskäse. Für dieses wird ausschließlich die rohe Milch der Rassen Latxa und Carranzana verwendet. Schafe, die sich auf den saftigen, natürlichen Bergweiden der Region frei ernähren. Genau diese nährstoff-, fett- und eiweißreiche Milch verleiht dem Käse seinen unverwechselbaren, tiefen Charakter und die wunderbar dichte Textur. Direkt daneben thronte der Urdina, ein charakterstarker Blauschimmelkäse aus dem Herzen des Baskenlandes. In kühlen Höhlen gereift, bringt er eine pikante Note mit, die auf der Zunge jedoch überraschend cremig und harmonisch ausbalanciert verstreicht. Ein absolut stimmiger, ehrlicher und glücklicher Ausklang für diesen unvergesslichen Abend!
EIN ABEND, DER HÄNGEN BLEIBT
Es war diese ganz besondere Mischung aus Bornheimer Gemütlichkeit und baskischem Temperament, die diesen Abend so einzigartig gemacht hat. Wenn der letzte Schluck aus dem Glas geleert ist und das Echo des „Txotx“ noch in deinen Ohren nachhallt, weißt du, Gipuzkoa und Frankfurt, das passt einfach zusammen. Ein großes Lob an die Cider World für diesen kulinarischen Brückenschlag!
Hast du schon den baskischen Cider probiert?
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